Sie sind hier: Geschichte / Ende einer Ära
Montag, 22. Juli 2019

Das Ende einer Ära

1900

Julius Horn

Am 11.12, musste krankheitsbedingt Theodor Haßler den Vorsitz beim Technischen Verein niederlegen. Durch drei Jahrzehnte hatte er die Arbeit des Vereins geprägt. Der neue Vorsitzende Julius Horn konnte nur drei Jahre amtieren, dann zwang ihn eine Krankheit zur Aufgabe.

1903

Jetzt übernahm Gottlieb Seutter die Führung des Vereins, dem er schon zwölf Jahre als Schriftführer gedient hatte. Im Jahre 1910 löste ihn Conrad Lembert im Vereinsvorsitz ab. Auf seine Anregung wurden die Referalsabende mit technologischem Inhalt künftig durch Mitglieder gestaltet. Schließlich musste Seutter, im Krieg zunächst zweiter Vorsitzender, wieder die Vereinsführung übernehmen, nachdem Lembert eingezogen worden war. Die wenigen in der Heimat verbliebenen Mitglieder bemühten sich nach Kräften, das Vereinsleben aufrecht zu erhalten.

Vom FD zum ICE, Augsburg geographisch im Abseits?

1864 erobern Preußen und Österreich im Krieg gegen Dänemark das heutige Schleswig-Holstein. Im gleichen Jahr übernimmt Karl Albert Gollwitzer (1839 -1917) das väterliche Baugeschäft in Augsburg, ein Jahr später tritt er dem TVA bei. Als Architekt, Baumeister und Ingenieur prägt er über Jahre das Stadtbild. Seine Gebäude, häufig mit orientalischen Stilelementen, existieren - soweit sie die Bombennacht vom 26. Februar 1944 überlebten noch heute in der Volkhart- , Herwart-, Fugger-, Schaezler- und Holbeinstraße. Das Gästehaus der Hessing 'schen Klinik gehört ebenfalls zu seinen Schöpfungen.

Leidenschaftlich widmet er sich Verkehrsplanungen im allgemeinen und der Eisenbahn im besonderen. Das 1882 dem TVA vorgetragene „Eisenbahnprojekt Augsburg-Ammersee-Weilheim", das der in den siebziger Jahren gebauten Gatthard-Strecke eine kürzere Verbindung über Innsbruck zum Brenner entgegensetzen sollte, wird sechzehn Jahre später verwirklicht. Am 30. Juni 1898 werden die Teilstrecken Mering-Schondorf und Weilheim-Dießen eröffnet, die Verbindung Schondorf-Dießen am 24. Dezember des gleichen Jahres. Über die Stichbahn nach Peißenberg lange Zeit für den Transport oberbayerischer Pechkohle benutzt, bleibt die Strecke für den Fernverkehr leider bedeutungslos. Das 1901 diskutierte Projekt eines Augsburger Stadthafens rund um den Oblatterwall bleibt Vision.

Bert Brecht erlebte noch die „Tonnenmänner"

Hochwasserschutz und Stadtentwässerung, ständige Themen für den „hochwohllöblichen Magistrat", sind Ende des 19. Jahrhunderts hinreichend gelöst, Kanalbauten im Stadtgebiet, wie heute, ständige Beschäftigung. Runde 3 1/2 Millionen Mark sind bis Ende des 19. Jahrhunderts verbaut.

Eine geregelte Fäkalienabfuhr entsteht mit Einführung eines Tonnensystems in den Jahren 1868 bis 1870. Doch die Vorteile des englischen Wasserklosetts beginnen sich herumzusprechen. Erst 1899, als die Kgl. Regierung die Fäkalienabfuhr in Augsburg unter gesundheitlichen Aspekten verwirft, beginnt der Magistrat, sich mit einer Schwemmkanalisation zu beschäftigen. Das Bauamt zählt bis April 1899 bei 4665 Wohngebäuden insgesamt 5515 Aborte unterschiedlichster Art. Dies ist Ausgangspunkt für langwierige Überlegungen, Studien und Planungen, die 1903 einen vorläufigen Abschluss finden. Deren Ergebnis wird aber verworfen, da eine Reihe van Annahmen durch Gutachter angezweifelt werden.

1907 wird dieses „anrüchige" Thema vom TVA wieder aufgegriffen and Professor Miller, Nürnberg, zu einem Vortrag eingeladen. Noch im selben Jahr fällt die Entscheidung, die Schwemmkanalisation unter weitgehender Verwendung vorhandener Entwässerungskanäle einzuführen und Abwässer und Fäkalien gemeinsam in den Lech zu leiten. Bereits 1910 plant das Stadtbauamt an der Schillstraße in Lechhausen eine mechanische Kläranlage, die 1916 in Betrieb geht. Der Bau einer Gesamtkläranlage am Nordende Augsburgs fällt in die Jahre 1954 bis 1956. Von 1975 bis J980 wird sie erweitert und zu einer vollbiologischen Anlage ausgebaut, so daß Stadtentwässerung und Schwemmkanalisation nicht länger „anrüchige" Themen sind.