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Donnerstag, 13. Dezember 2018

Tradition und Fortschritt verpflichten

Hans Kaiser

1972

Nach 20-jähriger Vorstandstätigkeit musste Eugen Nagler das Amt des Vorsitzenden aus Alters- und Gesundheitsgründen aufgeben. Die Vorstandsära Nagler, Vater und Sohn, ging damit nach einem halben Jahrhundert zu Ende. Eugen Nagler wurde unter dem Beifall der Mitglieder zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Die Führung des Vereins übernahm Hans Kaiser, der bisherige 2.Vorsitzende. In seiner Antrittsrede bekannte er sich zu den traditionellen Aufgaben des Vereins, nämlich zur Pflege wie zur Förderung aller technischen Fragen.

Ein halbes Jahrhundert, das die Arbeitswelt verändert.

Serienfertigung einst das Werk vieler Hände, wie der Blick in die Transformatoren-Fertigung zeigt. Doch in den letzten 50 Jahren haben sich die Käuferwünsche grundlegend gewandelt. Jetzt heißt es, eine steigende Zahl unterschiedlicher Produkte in kleiner werdenden Stückzahlen immer billiger zu fertigen, was ohne Computer- und Roboterhilfe undenkbar wäre.

KUKA, 1898 von dem TVA-Mitglied Jakob Knappich mitgegründet, ist mit der Zeit gegangen. Mit seinen Robotern sind flexiblen Fertigungssystemen zählt es heute zu den führenden Anbietern mit weltweiten Aktivitäten sowie Tochtergesellschaften in Europa, Amerika und Asien.

Das abgebildete Montagesystem versieht tagtäglich 1350 unterschiedliche PKW-Karosserien mit dem kompletten Satz feststehender Scheiben, unabhängig davon, in welcher Reihenfolge und welchem Stückzahlverhältnis die verschiedenen Fahrzeugvarianten zugeführt werden.

Dieter Kalhammer

1976

In diesem Jahr wurden Dieter Kalhammer zum ersten und Albert Still zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Sie konnten, wie alle ihre Vorgänger, das Niveau des Vereinslebens halten. 1981 wurden drei verdiente und langjährige Mitglieder zu Ehrenmitgliedern ernannt: Richard Futterknecht, Fritz Mader und Hans Steiner.

1984

Die Zirbelnuß-Kanal-Brücke - sie ist bei den Sieben Kindeln der Übergang über den inneren Stadtgraben - wurde aus Mitteln des Technischen Vereins renoviert. Die kleine Brücke war 1848 von C. Reichenbach geschaffen worden. Der Verein wollte damit die Verbundenheit mit Augsburg und vor allem mit der Technikfreudigkeit dieser Stadt zum Ausdruck bringen.

Die ich rief, die Geister...

..die Zeiten der sich wiederholenden manuellen Verrichtungen, die keine Intelligenz erfordern und durch strikte Befehle gesteuert werden, sind vorbei". (Pierre Arnold, 1981)
Die Zauberformel heißt Mikroelektronik. Welch eine Entwicklung vom oben gezeigten ENIAC aus dem Jahre 1946, der 30 Tonnen wiegt und nur eine Buchseite speichern kann, bis bin zu diesem Winzling von 1-Gigabit-Chip des Jahres 1995, der die Textmenge der kompletten Werke Shakespeares zehnmal fasst!
Gunter Bohle vors Siemens beeindruckt 1982 in seinem Vortrag die Mitglieder und Gäste des TVA mit dem damals erreichten Stund und den Zukunftsvisionen. Fluch oder Segen? Ohne Mikroelektronik ist unsere Welt nicht mehr denkbar. Doch der Mensch muss erst noch lernen sie zu meistern, um die Zukunft zu gewinnen.

Geht 's nicht noch tiefer?

Kilometertiefe Einblicke zu erhalten ist Ziel der Fahrt des IVA zum "Kontinentalen Tiefbohrprogramm der URO".
Die Bohrstelle liegt hei Windisch-Eschenbach in der Oberpfalz, naht; der tschechischen Grenz* im Zentrum des Urkontinents Pangäa, wo mitten durch die Nahtstelle zweier Kontinent* gebohrt wird.
Ziel des Programms ist nicht eine neue Rekordtiefe, sondern das Erreichen eines Temperaturbereiche* von 250 bis 300 Grad Celsius. Am 12. Oktober 1994 ist es soweit: Nach 1467 Bohrtagen endet die jetzt 9101 Meter tiefe Reise ins innere der Erde in einem Temperaturbereich von 280 Grad Celsius. Sie ist damit die heißeste und aufschlussreichste Bohrung zwischen Mississippi und St. Petersburg. Nach Auswertung aller Ergebnisse will das Geo-
forschungszentrum Potsdam die Bohrung für fünf Jahre als Tiefenobservatorium nutzen.

Alfred Kosebach

1990

Nun gab es wieder eine Zäsur. Auf Dieter Kalhammer folgte im Amt des ersten Vorsitzenden Alfred Kosebach, Doch wie es seit eineinhalb Jahrhunderten beim Technischen Verein schon Tradition ist : auch er wird dem Verein beachtliche Impulse geben. Das haben jedenfalls die zurückliegenden Jahre schon bewiesen.

Das Jahr 1957 bringt für die Messerschmtt AG in Augsburg den Wiederbeginn des Flugzeugbaues nach dem zweiten Weltkrieg. Doch der Augsburger Flugplatz ist von einer amerikanischen Luftwaffeneinheit belegt.
Der ebenfalls in den Anfängen stehende Luftverkehr in München Riem lässt die mietweise Nutzung einer Halle und den Betrieb auf der Startbahn zu. 1961 übersiedeln Endmontage und Einfliegerei nach Manching und erleben dort am 25. Juli 1961 den Start des ersten in Deutschland unter Lockheed-Lizenz gebauten Starfighters F 104 G.

Die Zeit kompletter Flugzeuge aus Augsburg ist jedoch durch nationale und internationale Bauaufteilung der weitaus komplexer gewordenen Flugzeuge vorbei. Endmontage und Erstflüge finden beute ausschließlich auf dem Werkflugplatz in Manching statt. Ziel einer Betriebsbesichtigung des TVA im Mai 1993. Seit Abschluss der "Tornado"-Endmontage bilden Wartung, Instandhaltung sowie Entwicklung und Erprobung neuer Flugzeuge die Schwerpunkte dieses Werkes. Den leidenschaftlich diskutierten Jäger 90 erlebt die Besuchergruppe des TVA auf dem Triebwerksprüfstand. Der Erstflug erfolgt ein Jahr später am 27. März.